Magendrehung

Magendrehung, auch bekannt als Magendilatation oder Magentorsion, ist ein akut lebensbedrohlicher Zustand, der leider regelmäßig bei unserer geliebten Rasse, dem Dobermann, auftritt.

Offiziell heißt die Erkrankung MDV-Syndrom (Magen-Dilatation-Volvulus), wobei Dilatation für Schwellung und Volvulus für Drehung steht. Obwohl immer mehr Risikofaktoren bekannt sind und man immer besser versteht, wie die Krankheit fortschreitet, ist die eigentliche Ursache immer noch unbekannt.

Was passiert im Körper während einer Magendrehung?
Bei der Magendrehung dreht sich der Magen von hinten gesehen meist im Uhrzeigersinn. Der Magen dreht sich in der Regel zu ¾ im Uhrzeigersinn, kann aber auch eine vollständige Drehung vollziehen. 
Bei der Magendrehung werden der Mageneingang (Kardia) und der Magenausgang (Pylorus) verschlossen. Verschluckte Luft kann oft noch in den Magen gelangen, aber nicht mehr durch den Magenausgang in Richtung Darm entweichen.

Zusammen mit einer möglichen Gasbildung durch Gärung im Magen führt dies zu einer starken Schwellung des Magens. Diese Schwellung des Magens führt zu einem erhöhten Druck auf die Magenwand, wodurch sich die Durchblutung der Magenwand verschlechtert. Dadurch wird die Sauerstoffversorgung der Magenwand verringert, was schließlich zum Absterben der gesamten oder eines Teils der Magenwand führen kann.

Eine Magendrehung mit einer damit verbundenen Verschlechterung der Magenwand aufgrund einer verminderten Durchblutung

Die Milz ist über ein Band mit der Magenwand verbunden und wird in der Regel auch bei einer Magendrehung verdrängt, wodurch Blut in die Milz gedrückt wird und sich die Milz dadurch vergrößert (Splenomegalie = Milzvergrößerung).
Neben der Stauung der Milz führt der stark geschwollene Magen auch dazu, dass die großen Blutgefäße im Bauchraum mehr oder weniger zusammengedrückt werden, so dass weniger Blut zum Herzen zurückfließt.
Das Herz reagiert akut darauf und beginnt, weniger Blut pro Herzschlag in den Körper zurück zu pumpen, wodurch der Blutdruck sinkt und unser Dobermann in einen Schockzustand gerät. Erschwerend kommt hinzu, dass der stark geschwollene Magen auch auf das Zwerchfell drückt und so die Ausdehnung der Lunge in der Brusthöhle und damit ihre Fähigkeit, das Blut mit Sauerstoff zu versorgen, verringert.
Insgesamt leiden Organe wie Herz, Nieren, Leber, Darm usw. unter einem erheblichen Sauerstoffmangel, wobei auch so genannte Endotoxine (Giftstoffe vor allem aus dem Magen-Darm-Trakt) freigesetzt werden. Diese Endotoxine wiederum aktivieren Entzündungsprozesse in den Organen.
In ähnlicher Weise führen die Endotoxine zusammen mit der Schädigung der Blutgefäßwände zu verstreuten Blutgerinnungsreaktionen in den Blutgefäßen. 
Schließlich führen die oben genannten Prozesse, die als umfassender Schock bezeichnet werden, zu irreparablen Schäden an den Organen, die leider zum Tod führen.

Wie verhält sich unser Dobermann, wenn eine Magendrehung auftritt?
Die Prognose für eine gute Genesung von einer Magendrehung verschlechtert sich mit jeder Minute, die verstreicht, so dass ein frühzeitiges Erkennen der Symptome entscheidend sein kann.

Wichtige Merkmale sind, dass Ihr Dobermann sehr unruhig ist und versucht, sich zu übergeben, ohne dass etwas herauskommt.

Ihr Dobermann wird auch viel speicheln und vor Schmerzen stöhnen. In einem etwas späteren Stadium wird auch der Bauchumfang sichtbar zunehmen.

Zusätzlich zu diesen Symptomen beginnt das Herz schneller zu schlagen, Ihr ohnehin schon geschwächter Dobermann hechelt und die Schleimhäute schwellen an.

Selbst beim geringsten Zweifel ist es dringend angeraten, sofort einen Tierarzt aufzusuchen, auch wenn es mitten in der Nacht ist. Eine Magendrehung gilt nicht umsonst als einer der dringendsten Notfälle in der Tiermedizin!
Wenn Ihr Dobermann dagegen im Zweifelsfall doch etwas Leckeres fressen würde, zum Beispiel einen Keks, den Sie ihm anbieten, dann gibt es zum Glück in diesem Moment keine Magendrehung.

Es kann auch vorkommen, dass der Tierarzt nicht mit Sicherheit beurteilen kann, ob eine Magendrehung vorliegt oder nicht.

Bestehen Sie in diesem Fall immer auf einer Röntgenaufnahme des Unterleibs. Ein verdrehter Bauch ist darauf immer deutlich als schwarzer Ballon zu sehen.

Wie ist die Behandlung und wie ist die Prognose der Magendrehung?

Wenn der Tierarzt die Magendrehung diagnostiziert hat, muss sofort mit der Behandlung begonnen werden. 
Sie als Besitzer können sich auch dazu entschließen, ihren Dobermann einzuschläfern, z.B. wenn andere schwerwiegende körperliche Beschwerden oder ein hohes respektables Alter vorliegen und Sie Ihren Dobermann nicht weiter leiden lassen wollen. 

Die dringendste Behandlung besteht aus einer Infusionstherapie, einer Magenentleerung (mit einer Ösophagussonde oder über eine seitliche Nadelpunktion) und unmittelbar danach einer chirurgischen Umkehrung und Fixierung des Magens (Magenfixierung/Gastropexie).
 
Bei der Operation kann es manchmal notwendig sein, den Magen zu öffnen (Gastrotomie), um überschüssigen, dann meist großen Mageninhalt zu entfernen. 
In ähnlicher Weise wird manchmal bei einer Operation beschlossen, die Milz zu entfernen (Splenektomie). 
Dies ist zum Beispiel dann notwendig, wenn das Aufhängeband zwischen Magen und Milz so weit gerissen ist, dass der Blutfluss der Milz gestört ist. 
Manchmal dreht sich der Magen während der Magenentleerung vor der Operation von selbst zurück, aber auch dann wird immer empfohlen, den Magen so schnell wie möglich zu operieren. 
Bei einem guten Tierarzt ist es also keine Option, Sie und Ihren Dobermann ohne Magen-fixierung wieder nach Hause zu schicken. 
Die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens ohne Magenfixierung liegt bei etwa 65 %, während die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens bei fixiertem Magen weniger als 6 % beträgt.

Der letztgenannte Prozentsatz hängt weitgehend von den chirurgischen Fähigkeiten des Tierarztes ab.

Wenn ein Magen so fixiert wird, dass er auf einer Länge von 3-4 cm mit der Bauchwand verwachsen ist, besteht im Prinzip keine Gefahr einer wiederholten Magendrehung. Manchmal kann der Magen aber auch anschwellen, ohne sich zu drehen.
 Liegt nur eine Magenschwellung ohne begleitende Drehung vor, entweichen die Blähungen in der Regel von selbst oder z. B. nach einem kurzen Spaziergang.

12 bis 36 Stunden nach der Operation treten fast immer Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie) auf.

Diese sind die Folge des daraus resultierenden Sauerstoffmangels im Herzmuskel und anderer Stoffwechselprobleme während der Magenkippe. In der Regel sind diese Herzrhythmusstörungen vorübergehend und hören innerhalb von 2 bis 4 Tagen von selbst auf. 
Nur bei erhöhter Herzfrequenz, schwachem Puls oder einem anhaltenden Schockzustand ist eine zusätzliche Arrhythmiebehandlung erforderlich. 

Ähnlich verhält es sich, wenn Ihr Dobermann mit der Herzmuskelerkrankung DCM (Dilatative Kardiomyopathie) belastet ist. 
Hier besteht ein erhöhtes Risiko und eine angemessene Überwachung und gegebenenfalls eine zusätzliche medikamentöse Behandlung ist unerlässlich.
In der Tierklinik liegt die Sterblichkeitsrate bei einer Magendrehung leider immer noch zwischen 15% und 33%.
Diese Raten hängen davon ab, wie schnell der Besitzer die ersten Symptome wahrnimmt und wie schnell er mit seinem Dobermann in die Tierklinik kommen kann.

Welche Hunde haben ein erhöhtes Risiko für eine Magendrehung?
Neben anderen großen Hunderassen hat auch unser Dobermann ein erhöhtes Risiko für eine Magendrehung.
Oft handelt es sich um Hunde, die im Durchschnitt etwa 7 Jahre alt sind und eine tiefe und schmale Brust haben. Dies deutet auch darauf hin, dass sicherlich genetisch 1. Grades Nachkommen von betroffenen Patienten ein erhöhtes Risiko für eine Magendrehung aufweisen.
Eine verzögerte Magenentleerung erhöht das Risiko einer chronischen Schwellung des Magens. 
Wenn der Magen relativ häufig anschwillt, zum Beispiel durch Gärung der Nahrung im Magen, kann sich das so genannte Magen-Leber-Band (eine bindegewebige Verbindung zwischen Magen und Leber, das so genannte Ligamentum gastrohepaticum) langsam aber sicher dehnen, so dass der Magen mehr Bewegungsfreiheit hat.
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Hunde mit einem deutlich längeren Magen-Leber-Band und damit mit einer größeren Bewegungsfreiheit des Magens für eine Magendrehung prädisponiert sind. 
Neben dem Magen-Leber-Band gibt es auch ein Band zwischen Leber und Dünndarm (Ligamentum hepatoduodenale), das unter anderem für die Fixierung des Magenausgangs (Pylorusfixierung) in der Bauchhöhle wichtig ist. 
Dieses Band kann auch bei einer chronischen Magenschwellung gedehnt werden, wodurch sich das Risiko einer Magendrehung erhöht.

Wenn wir bei einem gesunden Hund den Magen-ausgang (Pylorus) manuell auf die gegenüber-liegende linke Seite der Bauchhöhle verschieben, wie es bei einer Magendrehung der Fall wäre, würde er, wenn wir den Magenausgang (Pylorus) wieder loslassen, theoretisch sofort wieder in seine normale physiologische Position auf der rechten Seite der Bauchhöhle zurückschießen.
Im Gegensatz dazu würde bei einem Magen, bei dem zuvor eine Magendrehung stattgefunden hat, der Magenausgang in seiner abnormalen Position verbleiben und somit nicht in seine physiologische Position zurückschießen.

Damit es zu einer Magendrehung kommt, sind also sowohl eine Magenschwellung als auch prädisponierende Faktoren, wie z. B. verlängerte Bänder, erforderlich.

Was kann man vorbeugend tun, um eine Magendrehung zu vermeiden?
Der Magen kann durch verschluckte Luft anschwellen, zum Beispiel wenn Ihrem 
Dobermann übel ist oder er gierig gegessen hat. Ebenso kann die Aufnahme großer Mengen an Nahrung und/oder Wasser eher zu einer Magendrehung führen.
Es ist ratsam, das Futter in zwei oder mehr Portionen pro Tag aufzuteilen, wobei der Futternapf vorzugsweise auf dem Boden stehen sollte.

Außerdem ist es ratsam, sowohl eine Stunde vor der Mahlzeit als auch bis zu zwei Stunden nach der Mahlzeit Stress und aktive Bewegungen wie Sport und Spiel zu vermeiden. 
Geben Sie also keine volle Mahlzeit, wenn Sie gerade von einem anstrengenden Spaziergang oder einer Trainingseinheit nach Hause kommen, sondern füttern Sie, wenn sich Ihr Dobermann in einer ruhigen Umgebung wieder beruhigt hat.

Zusätzlich zu dieser Empfehlung ist es auch möglich, den Magen präventiv durch eine Operation, die so genannte Gastropexie, zu reparieren. Immer häufiger wird diese Operation durchgeführt, wenn Ihr Dobermann ohnehin betäubt werden muss, z.B. für Röntgenauf-nahmen der Hüften oder bei einer möglichen Kastration. 
Die Fixierung des Magens (Gastropexie) kann auf verschiedene Weise chirurgisch durch-geführt werden, wobei die Magenwand an der Bauchdecke fixiert wird.
Mögliche Operationen der Gastropexie sind:

Gastropexie durch Laparotomie:
Hier wird ein größerer Bauchschnitt vorgenommen, nach dem der Chirurg die Magenwand an die Bauchdecke näht.

Gastropexie durch Mini-Laparotomie mit Unterstützung der Laparoskopie: 
Unter dem Blick einer Kamera im Bauchraum wird die Magenwand mit einer Gewebezange gefasst und durch einen kleinen Bauchschnitt in der Flanke herausgezogen.
Danach wird die Magenwand in die Bauchwunde eingenäht und die Wunde wieder verschlossen.


Gastropexie nur per Laparoskopie:

Dabei wird die Magenwand mit Hilfe einer Kamera und weiterer Instrumente vollständig von innen an die Bauchdecke genäht. 
Diese Methode erfordert die notwendige Erfahrung des Chirurgen und wird sicher nicht in jeder Tierklinik durchgeführt.

Laparoskopisch assistierte Gastropexie mit Mini-Laparotomie

Nach der chirurgischen Fixierung der Magenwand an der Bauchdecke verschmilzt diese bei korrekter Durchführung der Operation innerhalb von 10 bis 14 Tagen mit der Bauchdecke, so dass sich der Magen nicht mehr drehen kann.

In der Praxis kommt es manchmal vor, dass Ihr Dobermann nach der Magenfixierung unter Übelkeit und/oder Erbrechen leidet. Diese Symptome verschwinden normalerweise mit der Zeit von selbst.

Ob Sie den Magen Ihres Dobermanns vorbeugend behandeln lassen sollten oder nicht, kann ich Ihnen nicht sagen, das müssen Sie selbst entscheiden. 
Schließlich handelt es sich hier um eine Operation an einem gesunden Hund, für die es zum jetzigen Zeitpunkt keine medizinische Notwendigkeit gibt.

Andererseits kann ich Ihnen sagen, dass Sie als Besitzer viel erholsamer schlafen, wenn Sie wissen, dass die Bauchdecke Ihres Dobermanns repariert ist.
Schließlich ist die Magendrehung eine der dringendsten Erkrankungen in der Veterinär-medizin, bei der nicht umsonst jede Sekunde zählt!


Davy Wertz