Jeder kennt das: Manchmal hört Ihr Dobermann nicht richtig zu, meistens aufgrund seines robusten Charakters oder manchmal, weil er den Befehl noch nicht ganz verinnerlicht hat.
Kürzlich wurde jedoch bei unserem Dobermann eine genetische Anomalie festgestellt, die mit einer angeborenen Taubheit in Verbindung gebracht wird. Durch die betreffende Genmutation (genetische Veränderung) kann das Innenohr nicht mehr richtig funktionieren (vestibulokochleäre Dysfunktion).
Das gesamte Ohr besteht aus einem Außen-, Mittel- und Innenohr. Das Außenohr umfasst die Ohrmuschel (Pina) und den vertikalen und horizontalen Gehörgang. Das Mittelohr besteht aus den drei Gehörknöchelchen, dem Hammer, Amboss und Steigbügel. Das Innenohr besteht aus der Cochlea (Schnecke) und dem Gleichgewichtsorgan (Labyrinth). Das Trommelfell (Membrana Tympani) befindet sich zwischen Außen- und Mittelohr und das Vestibulum zwischen Mittel- und Innenohr. Vom Innenohr aus verläuft der Hör- und Gleichgewichtsnerv weiter zum Gehirn.
Wie funktioniert das Ohr eigentlich?
Der vertikale und horizontale Gehörgang sammeln Schallwellen, die weiter zum Trommelfell geleitet werden, das daraufhin zu vibrieren beginnt. Dadurch werden auch Hammer, Amboss und Steigbügel in Bewegung gesetzt. Das Steigbügel klopft dann gegen das ovale Fenster (Vestibulum), das den Eingang zur Cochlea (Schnecke) abdeckt. Durch das Klopfen des Steigbügels gegen das ovale Fenster beginnt sich die Flüssigkeit in der Cochlea zu bewegen. Dadurch bewegen sich auch Tausende kleiner Haarzellen in der Cochlea, die ja in der Flüssigkeit hängen.
Durch die sich bewegenden Haarzellen senden die Sinneszellen Signale an den Hörnerv, der diese wiederum an das Gehirn weiterleitet. Das Gehirn wandelt diese Signale in Geräusche um, beispielsweise in Ihre Befehle als Hundeführer.
Bei der betreffenden Genmutation manifestiert sich die angeborene Anomalie ab einem Alter von etwa drei Wochen. Neben Taubheit geht dies meist mit Koordinationsstörungen (vestibuläre Ataxie) einher.
Bei Dobermänner mit dieser Erkrankung werden unter anderem abweichende oder eine verminderte Anzahl von Gehörsteinen (Otolithen) in der Cochlea sowie eine Degeneration des Hör- und Gleichgewichtsnervs (Nervus Vestibulocochlearis) festgestellt.
Die Genmutation wird autosomal-rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass sowohl der Rüde als auch die Hündin das fehlerhafte Gen an den Welpen weitergeben müssen (rezessiv), damit dieser die Erkrankung erbt, und dass Rüden und Hündinnen gleichermaßen davon betroffen sein können (autosomal).
Im Rahmen der wissenschaftlichen Untersuchung wurde bei 3 von 202 klinisch gesunden Dobermännern das abweichende Gen gefunden. Die Prävalenz in der Dobermannpopulation wird daher vorläufig auf 1,5 % geschätzt. (Guevar et al. J Vet Intern Med. 2018;32:665-669).
Mittlerweile gibt es einen DNA-Test für diese Erkrankung bei unserem Dobermann.
Aufgrund dieser wissenschaftlichen Untersuchung besteht derzeit kein Grund zur Sorge, und die DCD wird dies (vorerst) nicht in ihre Zuchtvorschriften aufnehmen. Selbstverständlich wird der Rasseverband die Entwicklungen im Zusammenhang mit dieser Genmutation weiterhin aufmerksam verfolgen und seine Mitglieder und Züchter auf dem Laufenden halten.
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